Kreditkarten Anbieter Visa schlägt Gebührensenkung vor

Donnerstag den 16.05.2013

Visa LogoBei einer Pressemitteilung am Dienstag berichtete die EU-Kommission, dass Visa Europe nun einlenkt und von sich aus der Kommission eine Senkung der Entgelte für die grenzüberschreitenden Kartenzahlungen bietet. Es handelt sich dabei um jene Interbankengebühren, die fällig werden, wenn grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb von Europa getätigt werden. Doch Visa Europe geht noch einen Schritt weiter. Darüber hinaus schlägt das Unternehmen auch eine Neuregelung bei den so genannten „crossborder Acquirings“ vor.

Kenner der Branche erwarten dadurch einen „Dammbruch“. Nach den Zugeständnissen von Visa rechnen sie mit einer europaweiten Angleichung im Bereich Kartengebühren, und zwar mit einer Senkung der Kartengebühren von Visa und MasterCard auf 0,3 Prozent vom jeweiligen Umsatz (für Kreditkarten) und sogar auf 0,2 Prozent (für Debitkarten). Die Neuerung soll ab 2014 in Kraft treten und dabei nicht nur für inländische, sondern auch für ausländische Kartentransaktionen gelten. Angeboten habe Visa Europe Folgendes:

• Für grenzüberschreitende Zahlungen mit Visa Kreditkarten innerhalb Europas sollen die Interbankenentgelte auf 0,3 Prozent herabgesenkt werden, und zwar zunächst für eine Dauer von vier Jahren.

• Für das „crossborder Acquiring“ sollen wiederum die Mitgliedsbanken von Visa Europe mit ihren Kunden bei grenzüberschreitenden Kartenzahlungen bilaterale Interchange-Gebühren vereinbaren dürfen.

Für die Höhen der Interchange-Gebühren sind derzeit laut der Vertragsklausel von Visa generell die Standorte der jeweiligen Händler maßgeblich. Ansichten der EU-Kommission zufolge hemmt diese Regelung allerdings den Wettbewerb im Binnenmarkt Europas. Sie sei auch einer der wichtigen Gründe für die Einleitung der Kartellverfahren gegen Visa Europe und gegen den Konkurrenten MasterCard gewesen, so der Kommentar von Joaquín Almunia, EU-Wettbewerbskommissar.

Geteilte Meinungen über die Vorschläge von Visa

Um dem im Sommer 2012 eingeleiteten Kartellverfahren zu entgehen, habe Visa Europe nun der EU-Kommission obige Vorschläge verbreitet. Wie zu erwarten, befürwortet EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia die Entscheidungen von Visa. Seinerseits sagt Almunia zugleich zu, die Vorschläge von Visa gründlich zu prüfen, um sie „gegebenenfalls für rechtsverbindlich“ zu erklären.

Ebenfalls positiv sieht der europäische Handelsverband das Angebot von Visa Europe, es sei ein „Schritt in die richtige Richtung“. Christian Verschueren, Generaldirektor von EuroCommerce, frohlockt, weil, falls der Vorschlag akzeptiert wird, die grenzüberschreitende Zahlungen per Kredit- und per Debitkarten sowohl für Mastercard als auch für Visa bei jeweils 0,3 Prozent und 0,2 Prozent vom Umsatz liegen werden.

Weniger begeistert die Senkung der Kartengebühren alle, die dadurch Verluste fürchten, nämlich Unternehmen, die von den hohen Gebühren profitieren wie die Zahlungsdienstleister, deren Umsatzerlöse schrumpfen werden. So könne die von Visa vorgeschlagene neue „crossborder Acquiring“ Regelung dazu führen, dass sich große Handelfirmen mit Zahlungsdienstleister in anderen EU-Ländern über extra günstigen Interchange-Gebühren einigen.